4. vom Kotnascher zum Traumhund

4. vom Kotnascher zum Traumhund

27. Februar 2018 0 Von Alina

Wie wir es in den Griff bekommen haben

Unsere Verzweiflung wuchs von Tag zu Tag und von Runde zu Runde. Rocky, der alte Kotnascher, brachte unsere ganze Familie langsam aber sicher an den Rand des Wahnsinns. Es war uns einfach unbegreiflich warum er es nicht lassen konnte. Gassi gehen im Dunkeln war eine besondere Herausforderung und ich weiß noch genau, wie ich mit meiner Handytaschenlampe den Boden nach möglichen Häufchen absuchen musste damit ich wenigstens den Hauch einer Chance hatte vorher einzugreifen. Das Problem spaltete langsam aber sicher die Familie. Während meine Mutter höchst angewidert von Rockys Verhalten war und mit dem Gedanken spielte, ihn deshalb wieder abzugeben, wuchs in mir eine unfassbare Wut über die aussichtslose Gesamtsituation. So viele Ideen und Vorschläge haben wir umgesetzt aber nichts half… bis ich eines Tages mal den TV anschaltete und eine Tiersendung auf VOX lief. Genauer gesagt lief „Martin Rütter – der Hundprofi“. Und hatte er nicht genau an dem Tag und in dieser Minute den exakten Fall wie wir ihn hatten? Ich hatte bislang noch von keinem Hundebesitzer gehört, dass er einen kotnaschenden Hund hätte. Bis auf die paar Fälle im Internet und da bezog es sich auch eher auf Pferdeäpfel. Ich starrte gespannt auf den Bildschirm und verharrte stehend vor dem Fernseher. Da durfte keine Sekunde verpasst werden! 

So schwierig das Problem, so einfach die Lösung. Essensentzug! Damit wurde der Hund im TV von seiner äußerst schlechten Angewohnt befreit. Aber konnte es wirklich so einfach sein? Der Versuch war es allemal wert. Ich berief den Familienrat ein und wir beschlossen das ganze morgen früh direkt umzusetzen. Meine Gedanken raubten mir den Schlaf. Es war die letzte Chance etwas zu ändern und es musste klappen. Wir standen also am nächsten Morgen auf und Rocky konnte es einfach nicht fassen, dass es nichts zu essen für ihn gab. Die anschließende Morgenrunde hielten wir sehr kurz und kehrten schnell wieder nach Hause zurück. Die beiden futterlosen Tage fanden an einem Wochenende statt, damit Rocky nicht aus Frust die ganze Wohnung auseinander nahm. Das war wirklich eine gute Idee, denn der kleine Mann wurde schon zum Mittagessen sehr ungehalten. Neben seinem Brummen am Essenstisch fing er an, die Tischbeine anzuknabbern und die Stuhlbeine anzusägen. Er konnte einem wirklich Leid tun, aber es gab da keine andere Möglichkeit als das ganze durchzuziehen. Gegen Nachmittag haben wir gekuschelt aber das Magenknurren vor lauter Hunger war einfach nur herzzerreißend. Gar nicht mal so einfach seinem neuen Familienmitglied das Essen vorzuenthalten. Wir mussten uns alle gegenseitig ermahnen nicht schwach zu werden. Die Abendrunde wurde auch kurz gehalten und fand bei Tageslicht in einer Gegend in der kaum Hunde anzutreffen waren statt. Die Nacht war nicht minder schwer. Er verbrachte diese eingerollt neben meinem Bauch unter der Decke und das Bäuchlein knurrte unentwegt. Am nächsten Morgen stand er schon erwartungsvoll vor seinem Napf aber bis auf Wasser wurde dort nichts eingefüllt. Rocky verzog sich für den restlichen Tag in sein Körbchen und der Ablauf wiederholte sich.

Nach zwei Tagen Futterentzug erkannte ich meinen Hund nicht mehr wieder. Die Fressmaschine schlechthin war richtig ausgelaugt, kraftlos, lustlos und hungrig ohne Ende. Jetzt hatten wir den ersten Teil schon geschafft und starteten mit dem zweiten Teil. Ab jetzt gab es Futter nur noch über den Futterbeutel. Ein kleines Säckchen gefüllt mit einer Essensration für unterwegs. Ich ließ Rocky wissen, dass ich es dabei hatte und er lief nur noch bei Fuß. Er blendete komplett alles aus. Sogar andere Hunde waren völlig uninteressant. Ich ließ ein paar Kommandos, wie Sitz und Platz, auf unserer Runde abspielen und belohnte ihn jedes mal, indem er einmal kurz mit dem Maul Futter aus dem Beutel holen durfte. Gierig! Beim ersten Happen dachte ich, dass er den Beutel gleich mit auffrisst. Aber es wurde besser.

Ich habe ja gesagt: „Mein Hund ist der verfressendste überhaupt!“

Es machte also wirklich Sinn ihn mit Futter umzuerziehen. Soviel Konzentration während einer Gassi Runde hatte ich noch nie von Rocky erhalten. Er beeilte sich auch bei dem ersten Spaziergang wahnsinnig sein Geschäft zu verrichten und ich rief ihn danach auch sofort um ihn zu belohnen, weil er dieses nicht wieder auffressen wollte. Der erste Tag mit dem Futterbeutel brachte uns soviel positive Energie. Schon nach den ersten 15 Minuten wusste ich, dass wir es schaffen werden. Und ich sollte Recht behalten! Nach 3 Tagen wurde aus Rocky aka der Kotnascher, Rocky der aufmerksamste Beagle aus ganz Heidelberg. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen was dies für eine Erleichterung für die ganze Familie war. Die schwierige Anfangszeit schlossen wir mit dieser Problemlösung ab und ich kann euch eins sagen –  es lohnt sich dran zu bleiben und die Hoffnung nicht zu verlieren. Der kleine Racker stellte die gesamte Familie auf die Probe und schweißte uns umso mehr zusammen.